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Erstes Wasserstoffauto im Industriepark im Praxistest
Seit der Inbetriebnahme der Wasserstoff-Tankstelle am Südrand des Industrieparks Höchst im November 2006 sind vier Brennstoffzellen betriebene A-Klasse-Fahrzeuge von Daimler für das EU-Projekt Zero Regio im Alltagstest – drei davon auf dem Fraport-Gelände und seit kurzem auch eines im Industriepark Höchst. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten und von Infraserv Höchst koordinierten Projektes Zero Regio liefern die Fahrzeuge derzeit wichtige Erfahrungswerte über den Alltagsbetrieb und die Betankung.
Erste Erfahrungen sind positiv
Bis Ende 2009 läuft der Praxistest, also die Erprobung der aufgebauten Infrastruktur und Flottentests mit Brennstoffzellen betriebenen Fahrzeugen. Im Industriepark Höchst fährt derzeit Matthias Habig, Leiter des Betriebes Technische Gase von Infraserv Höchst, das Wasserstoffauto, einen sogenannten „F-Cell“ A-Klasse Mercedes. Zu Habigs Verantwortungsbereich gehört auch das Wasserstoffzentrum, in dem der Treibstoff für das Auto gespeichert, verdichtet und an einer Trailerstation für den Transport auf Lkw auch abgefüllt wird. Auch die Mitarbeiter von Matthias Habig werden jetzt in die Technik des Fahrzeugs eingewiesen, um es künftig als Betriebsfahrzeug zu nutzen.
„Der F-Cell wird wie ein normales Auto gestartet. Es vergehen lediglich zirka fünfzehn Sekunden, bis die Brennstoffzelle Leistung abgeben kann“, schildert Habig seine Erfahrungen mit dem neuen Auto. „Die Bedienung und die sonstige Ausstattung entsprechen einem Auto mit Automatikgetriebe.“ Der F-Cell ist mit einem Daten-Logger ausgestattet, der alle Bewegungen, Bedienschritte und Betriebsdaten zur späteren Auswertung speichert. „Ungewohnt ist, dass das Fahrzeug von Passanten nicht rechtzeitig wahrgenommen wird, weil ihm die typischen Geräusche der konventionellen Verbrennungsantriebe fehlen. Hier ist also besondere Aufmerksamkeit geboten“, so Habig. „Der Tankvorgang ist mit der Betankung von Erdgasfahrzeugen zu vergleichen. Bei der Routenplanung ist jedoch zu beachten, dass getankt werden muss, bevor der Tank leer ist. Eine zusätzliche Versorgung mit Benzin oder Diesel ist bei diesem Konzept nicht möglich. Bislang ist die Nutzung völlig unproblematisch und störungsfrei.“
Wasserstoff aus dem Industriepark
Die Testfahrzeuge werden ausschließlich an speziellen Wasserstoffzapfsäulen der von Agip betriebenen Multikraftstoff-Tankstelle am südlichen Rand des Industrieparks Höchst betankt. Den Wasserstoff liefert Infraserv Höchst über eine 1,7 Kilometer lange Hochdruckpipeline vom Wasserstoffzentrum im Westen des Industrieparks, die weltweit einmalig ist. Dr. Heinrich Lienkamp, Leiter Verfahrenstechnik im Geschäftsfeld Energien von Infraserv Höchst und verantwortlicher Projektkoordinator für Zero Regio, ist hinsichtlich der Funktionsfähigkeit der Wasserstoffversorgung sehr zufrieden: „Man hat uns beim Bau der Hochdruckpipeline sehr eingehend beobachtet, weil wenige es für möglich gehalten haben, über eine so weite Strecke eine 1.000-bar-Hochdruckleitung zur Versorgung mit Wasserstoff zu bauen und weltweit erstmalig die neue Verdichtertechnik auf Basis einer ionischen Flüssigkeit einzusetzen. Die Verfügbarkeit der Technik liegt bei der Pipeline bei hundert Prozent und bei der Verdichtung bei guten 90 Prozent in der jetzigen Testphase.“
Elektromotor und Brennstoffzelle – zusammen unschlagbar
Im niedrigen Energieverbrauch sind die Brennstoffzellen-Fahrzeuge unschlagbar: sie verbrauchen nur etwa die Hälfte eines vergleichbaren Erdgasautos, wobei in den Gesamtenergieverbrauch die vorhergehende Verdichtung des jeweiligen Energieträgers bereits eingerechnet ist - bei Erdgas die Verdichtung auf 330 bar, bei Wasserstoff sogar 700 oder mehr. Die Brennstoffzelle zur Stromerzeugung in Kombination mit dem Elektromotor hat eine Energieausbeute von 50 bis 55 Prozent, zusätzlich kann Bremsenergie in Strom umgewandelt und in der Batterie gespeichert werden. Steht das Auto beispielweise im Stau oder an der Ampel, verbraucht es keinen Treibstoff. Verbrennungsmotoren dagegen haben einen Wirkungsgrad von etwa 17 bis 20 Prozent – und stoßen dabei noch Emissionen aus. (ss)

Ein Tankvorgang fast wie jeder andere auch: Matthias Habig mit seinem "F-Cell" an der Wasserstoff-Zapfsäule der Agip-Tankstelle im Süden des Industrieparks.
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